Deutsche Märchen & Sagen
zum Lesen und Vorlesen

Brüderchen und Schwesterchen

von Brüder Grimm

~12 Min

Brüderchen nahm sein Schwest­erchen an der Hand und sprach: Seit die Mut­ter tot ist, haben wir keine gute Stunde mehr. Die Stief­mut­ter schlägt uns alle Tage, und wenn wir zu ihr kom­men, stösst sie uns mit den Füssen fort. Die harten Brotkrusten, die übrig bleiben, sind unsere Speise, und dem Hündlein unter dem Tisch geht’s bess­er, dem wirft sie doch manch­mal einen guten Bis­sen zu. Dass Gott erbarm! Wenn das unsere Mut­ter wüsste! Komm, wir wollen miteinan­der in die weite Welt gehen!“ Sie gin­gen den ganzen Tag über Wiesen, Felder und Steine, und wenn es reg­nete, sprach das Schwest­erchen: Gott und unsere Herzen, die weinen zusam­men!“ Abends kamen sie in einen grossen Wald und waren so müde von Jam­mer, Hunger und dem lan­gen Weg, dass sie sich in einen hohlen Baum set­zten und einschliefen.